Ich wurde mehrmals per E-Mail gefragt, wie das Rheuma meinen Kinderwunsch und die Schwangerschaft beeinflusst hat, deshalb habe ich mich entschlossen, einen Artikel über meine Erfahrungen zu schreiben. Die Schwangerschaft ist für viele von uns ein zentrales Thema. Bei Frauen mit Autoimmunkrankheiten kommen zusätzlich zu den „normalen“ Überlegungen noch zahlreiche andere Fragestellungen hinzu: Besteht ein Risiko der Unterversorgung für das Kind? Ist das Fehlgeburtrisiko erhöht? Wie sieht es mit meinem eigenen Risiko aus? Worauf muss ich in der Schwangerschaft besonders achten? Wie verhalte ich mich bei einem Entzündungsschub? Welche Medikamente kann ich auch während der Schwangerschaft verwenden?
Natürlich ist es nicht mein Ziel, mit diesem Artikel all diese Fragen im Detail zu beantworten, da sie je nach Autoimmunkrankheit unterschiedlich ausfallen würden. Aber ich möchte doch ein bisschen von meinen eigenen Erlebnissen erzählen und vor allem Mut machen!

Meine erste Rheumatologin sagte mir – noch bevor mein Mann und ich beschlossen hatten, unseren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen – dass es aufgrund meiner Rheumatoiden Arthritis höchstwahrscheinlich „sehr lange“ dauern würde, bis ich schwanger werden würde. Ich glaube, sie wollte mir im Vorfeld gut zureden. „Man darf nie den Mut verlieren. Sie müssen es einfach immer wieder probieren. Es wird wohl sehr lange dauern.“ Für mich hatte das jedoch den Effekt, dass die erwünschte Schwangerschaft gefühlt in weite Ferne rückte und ich versuchte, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es vielleicht auch gar nicht klappen würde. Nun, es dauerte 5 Monate und ich war schwanger! 🙂
So schnell hatten wir nicht damit gerechnet. Wir hatten gerade beschlossen, dass ich zurück nach Deutschland gehen und mein Mann nachkommen würde (nachdem wir 10 Jahre in England gelebt hatten), und dementsprechend waren die ersten Monate der Schwangerschaft nicht nur von Vorfreude sondern auch vom Umzugsstress geprägt.

Präeklampsie

Eine Schwangere mit Autoimmunerkrankung hat ein erhöhtes Risiko einer Präeklampsie und daher wird die Schwangerschaft normalerweise als Risikoschwangerschaft eingestuft. Die Präeklampsie oder auch Spätgestose oder Schwangerschaftsvergiftung ist eine nur in der Schwangerschaft auftretende Erkrankung, bei der es zu schwangerschaftsbedingtem erhöhten Blutdruck (Hypertonie), Eiweißausscheidungen im Urin (Proteinurie) und Wassereinlagerungen (Ödemen) kommt. Bei einem schweren Verlauf kann es zu einer Plazentainsuffizienz kommen, bei der die Versorgung des Kindes ggf. nicht mehr gewährleistet ist. Außerdem können Komplikationen wie akutes Nierenversagen, Thrombosen, Krampfanfälle, gestörte Leberfunktion usw. auftreten. Insbesondere sind hier die Eklampsie und das HELLP-Syndrom zu nennen. Diese Komplikationen sind jedoch sehr selten und die ersten, leichteren Symptome werden meist schon bei den Vorsorgeuntersuchungen festgestellt, so dass einer Verschlimmerung entgegengewirkt werden kann. Bei einem hohen Risiko für Mutter und Kind wird das Baby meist per Kaiserschnitt früher geholt bzw. die Geburt künstlich eingeleitet. Bleibende Schäden sind heutzutage sehr, sehr selten.
Die genauen Ursachen für eine Präeklampsie sind noch unklar, aber zu den Risikofaktoren gehören: die Erstschwangerschaft, Mehrlingsschwangerschaft, häufiges Auftreten der Präeklampsie in der Familie, starkes Untergewicht der Frau, Diabetes mellitus, chronischer Bluthochdruck, chronische Nierenkrankheit und eben Autoimmunkrankheiten. Mir wurde deshalb empfohlen, vorbeugend ab der 12. Schwangerschaftswoche täglich 75mg Aspirin einzunehmen, da dies das Risiko senken kann (NB: Ich sage dies nur zu Informationszwecken, bitte nicht ohne Absprache mit deinem eigenen Arzt nachmachen). Auch Magnesium soll helfen. Zu den magnesiumreichen Lebensmitteln gehören: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Kakao (am besten roher, also unbehandelter Bio-Kakao), Bananen und Sesam, aber auch Amaranth, Quinoa und Hülsenfrüchte, wobei die letzten drei Nahrungsmittel bei einer reinen Paleo-Ernährung ausscheiden.

Entzündungsschub während der Schwangerschaft – was tun?

Bei der Rheumatoiden Arthritis verspüren viele Betroffene während der Schwangerschaft eine Verbesserung der Symptomatik. Schwangere mit Hashimoto-Thyreoiditis erleben ggf. dann einen Entzündungsschub, wenn sie auf Anraten des Arztes Jodtabletten zu sich nehmen, um die Versorgung des ungeborenen Kindes sicherzustellen. Da bei einer unbehandelten Hashimoto-Thyreoiditis ein erhöhtes Fehlgeburtrisiko besteht, sollten die Frauen in jedem Fall – in Absprache mit dem Arzt – Schilddrüsenhormone einnehmen. Beim systemischen Lupus erythematodes berichten rund 50% der Schwangeren von einer Verbesserung des Krankheitsbildes, bei der anderen Hälfte allerdings verstärkt sich oft die Krankheitsaktivität. Auch Morbus Basedow oder Multiple Sklerose verbessern sich häufig während der Schwangerschaft, nach der Entbindung kommt es allerdings oft zu einer Verschlimmerung der Krankheit. Als Grund für die Veränderungen während der Schwangerschaft gilt eine allgemein verringerte Reaktivität des Immunsystems durch das Hormon Progesteron (produziert von der Plazenta). Auch Östrogene und das plazentare Wachstumshormon beeinflussen das Immunsystem.
Falls es während der Schwangerschaft doch einmal zu einem Entzündungsschub kommt, sollte unbedingt mit dem Arzt besprochen werden, ob und welche Medikamente man einnehmen darf. Kortison kann in der Schwangerschaft meist gut gegeben werden, ebenso einige Antimalariamittel (wie Hydroxychloroquine bspw.).
Hausmittel, die ich außerdem hilfreich fand:
• Ingwer
; diese Wurzel, als Tee aufgebrüht getrunken (und/oder als Gewürz zum Essen verwendet), wirkt entzündungshemmend. Außerdem hilft Ingwertee super gegen Übelkeit während der Schwangerschaft!
• Kurkuma
(Gelbwurz); der wirksame Bestandteil Kurkumin wirkt ebenfalls stark entzündungshemmend.
• Bittersalz-Bäder; auch während der Schwangerschaft habe ich mich regelmäßig in einem Bad mit Bittersalzen (Magnesiumsulphat/Epsom Salts) entspannt. Natürlich dürfen die Bäder nicht zu heiß sein (maximal 37-38 °C) und bei Kreislaufproblemen ist hiervon abzuraten. Ich fand die Bäder gerade bei leichten Schmerzen sehr hilfreich.
Ansonsten helfen natürlich Entspannung und Ruhe – Atemübungen, Schwangerschaftsyoga; tu dir etwas Gutes!

Wie sehen deine Erfahrungen aus? Hast du weitere Tipps? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Quellen: http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_praeeklampsie-was-ist-eine-praeeklampsie-_877.html
http://www.internisten-im-netz.de/de_schwangerschaft-schilddruesenentzuendung_621.html

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